Haas-Haus Wien: Das moderne Wahrzeichen gegenüber dem Stephansdom
Direkt gegenüber dem Stephansdom steht ein Gebäude, das kaum unterschiedlicher sein könnte: das Haas-Haus in Wien. Seine geschwungene Fassade, die großen Glasflächen und der markante verspiegelte Erker fallen zwischen den historischen Häusern sofort auf. Und genau das war von Anfang an ein Streitpunkt.
Als der Architekt Hans Hollein das heutige Haas-Haus entwarf, löste sein moderner Bau mitten in der Wiener Altstadt heftige Diskussionen aus. Heute gehört das Gebäude ganz selbstverständlich zum Stadtbild rund um den Stephansplatz. Besonders spannend ist der Blick auf den Dom, der sich in der spiegelnden Fassade immer wieder anders zeigt.
Ich finde gerade diesen Gegensatz interessant: Auf der einen Seite steht eines der bekanntesten historischen Wahrzeichen Wiens, auf der anderen ein Bau, der bei seiner Entstehung bewusst mit den gewohnten Vorstellungen von Altstadtarchitektur gebrochen hat.
Wo steht das Haas-Haus in Wien?
Das Haas-Haus befindet sich am Stock-im-Eisen-Platz, direkt gegenüber dem Stephansdom, im 1. Wiener Gemeindebezirk. Du kannst es bei einem Spaziergang durch die Innenstadt nicht übersehen. Der Platz vor dem Gebäude ist Teil der Fußgängerzone rund um den Stephansplatz. Du kannst das Haas-Haus deshalb gut zu Fuß mit anderen Sehenswürdigkeiten verbinden. Wenn du schon hier bist, lohnt sich auch ein Blick auf den Stock im Eisen, der dem Platz seinen Namen mitprägt, und auf den gegenüberliegenden Stephansdom.
- Adresse: Stock-im-Eisen-Platz 4, 1010 Wien
- Lage: direkt gegenüber dem Stephansdom
- Architekt des heutigen Gebäudes: Hans Hollein
- Eröffnung: 1990
- Besichtigung: Außenfassade und öffentlich zugängliche Bereiche des Gebäudes

Was macht die Architektur des Haas-Hauses so besonders?
Das auffälligste Merkmal ist der verspiegelte, turmartige Erker an der Ecke zur Goldschmiedgasse. Er hebt sich deutlich von den umliegenden Fassaden ab. Gleichzeitig spiegeln sich darin der Stephansdom, die Häuser der Altstadt und das Geschehen auf dem Platz.
Die Gestaltung ist aber mehr als eine auffällige Glasfassade. Hans Hollein kombinierte unterschiedliche Materialien und Formen. Dazu gehören geschwungene Steinflächen, Glas und Metall. Die Fassade wirkt dadurch je nach Blickwinkel unterschiedlich: Mal steht der Erker im Vordergrund, mal scheint die Spiegelung des Doms die Form des Gebäudes zu verändern.
Ein wichtiger Teil des Entwurfs war auch die Einbindung in den Stadtraum. Das Gebäude sollte nicht einfach ein weiteres historisierendes Haus werden. Hollein setzte bewusst einen zeitgenössischen Akzent an einem der sensibelsten Orte Wiens.
Warum spiegelt sich der Stephansdom im Haas-Haus?
Die spiegelnden Flächen nehmen die Umgebung auf und verändern ihre Wirkung. Der Stephansdom erscheint darin nicht als vollständiges Abbild, sondern als fragmentierte, verzerrte Spiegelung. Das macht den Blick auf das Gebäude besonders interessant.
Am besten schaust du dir die Fassade deshalb nicht nur frontal an. Wenn du dich ein paar Schritte über den Stock-im-Eisen-Platz bewegst, verändern sich die Spiegelungen und Perspektiven. Gerade das Zusammenspiel von historischem Dom und moderner Architektur macht den Standort fotografisch reizvoll.
Warum war das Haas-Haus bei seiner Entstehung so umstritten?
Das Haas-Haus steht an einem der bekanntesten Plätze Wiens. Auf der einen Seite der historische Stephansdom, auf der anderen ein Neubau mit Glas, Spiegelungen und ungewöhnlichen Formen. Für viele Wienerinnen und Wiener war dieser Kontrast zunächst schwer vorstellbar.
Der Entwurf wurde in den 1980er-Jahren intensiv diskutiert. Kritiker befürchteten, dass die moderne Architektur das historische Stadtbild beeinträchtigen würde. Andere sahen darin einen wichtigen Schritt: Auch in der Wiener Altstadt sollte zeitgenössische Architektur möglich sein.
Das Haas-Haus wurde damit zu einem Symbol für die Frage, wie sich eine historische Stadt weiterentwickeln darf. Der Streit ging weit über die Gestaltung eines einzelnen Gebäudes hinaus. Es ging um den Umgang mit dem kulturellen Erbe und darum, ob Neubauten ihre Umgebung nachahmen müssen oder bewusst einen Kontrast setzen dürfen.
Heute ist das Gebäude ein bekanntes Beispiel für moderne Architektur in der Wiener Innenstadt. Die damaligen Diskussionen gehören zu seiner Geschichte – und machen es interessanter als ein Gebäude, das einfach nur neu gebaut wurde.
Wie ist die Geschichte des Haas-Hauses?
Die Geschichte reicht deutlich weiter zurück als bis zum heutigen Bau von Hans Hollein. An derselben Stelle standen bereits zwei Vorgängergebäude.
1866 bis 1867: Das erste Haas-Haus als Warenhaus
Das ursprüngliche Gebäude wurde zwischen 1866 und 1867 für das Unternehmen Philipp Haas & Söhne errichtet. Es handelte sich um ein Teppich- und Warenhaus im Stil des Historismus.
Entworfen wurde der Bau von August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, die auch mit der Planung der Wiener Staatsoper verbunden sind. Das Warenhaus galt als Pionierprojekt: Es war ein großes Geschäftshaus, das als eigenes Warenhaus betrieben wurde und nicht bloß aus einzelnen vermieteten Ladenlokalen bestand.
Der Name Haas-Haus erinnert bis heute an dieses Unternehmen und an die lange Handelsgeschichte des Standorts.
1945: Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
Im April 1945 wurde das ursprüngliche Haas-Haus während der Kämpfe um Wien in Brand gesetzt und zerstört. Die Ruine wurde anschließend abgetragen.
Damit verschwand ein Gebäude, das den Platz über Jahrzehnte geprägt hatte. Der Standort blieb jedoch wichtig – nicht zuletzt wegen seiner unmittelbaren Nähe zum Stephansdom.
1951 bis 1953: Ein Nachkriegsbau entsteht
In den frühen 1950er-Jahren wurde ein neues Gebäude errichtet. Die Architekten Carl Appel und Max Fellerer entwarfen den Nachkriegsbau, der 1953 eröffnet wurde.
Die schlichtere Gestaltung überzeugte am prominenten Standort jedoch nicht dauerhaft. In den 1980er-Jahren entstand deshalb die Idee, das Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen.
1986 bis 1990: Hans Hollein entwirft das heutige Haas-Haus
Hans Hollein entwickelte Mitte der 1980er-Jahre den Entwurf für das heutige Gebäude. Die Planung erfolgte 1986 und 1987, die Umsetzung folgte bis 1990.
Am 15. September 1990 wurde das Haas-Haus offiziell eröffnet. Der Neubau war von Beginn an umstritten, setzte aber einen wichtigen Akzent in der Architekturgeschichte Wiens.
2002: Umbau im Inneren
Ursprünglich besaß das Haas-Haus ein mehrgeschossiges Atrium, das die Geschäfte über Galerien, Stiegen und Rolltreppen miteinander verband. Dieses offene Raumkonzept prägte die ursprüngliche Innenarchitektur.
Bei einem größeren Umbau im Jahr 2002 wurde das Atrium zugunsten einer neuen Nutzung verändert. Der Innenraum sieht daher nicht mehr so aus wie zur Eröffnung.

Wer war Hans Hollein?
Hans Hollein (1934–2014) war ein österreichischer Architekt und Designer und zählt zu den international bekanntesten Architekten des Landes. Er beschäftigte sich mit der Frage, wie Architektur auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren kann und welche Rolle Gestaltung in einer Stadt spielt. Das Haas-Haus ist eines seiner bekanntesten Bauwerke in Wien. Es zeigt seinen eigenständigen Umgang mit Formen und Materialien: Statt den historischen Stil der Nachbargebäude zu kopieren, setzte Hollein auf eine moderne Gestaltung, die mit dem Bestand in einen Dialog tritt.
Kannst du das Haas-Haus von innen besichtigen?
Das Haas-Haus ist kein Museum und bietet keine reguläre Besichtigungstour durch das gesamte Gebäude an. Es handelt sich um ein Geschäfts- und Bürogebäude mit gastronomischer Nutzung. Du kannst die Fassade von außen kostenlos ansehen und die Spiegelungen des Stephansdoms beobachten. Welche Geschäfte, Restaurants oder anderen Bereiche öffentlich zugänglich sind, hängt von der aktuellen Nutzung ab. Früher war das Haus auch für seine Gastronomie bekannt. Die Nutzung der Innenräume hat sich im Laufe der Zeit verändert. Wenn du ein bestimmtes Restaurant besuchen möchtest, informiere dich deshalb vorab direkt beim jeweiligen Anbieter über das aktuelle Angebot und die Öffnungszeiten.



Was kannst du rund um das Haas-Haus unternehmen?
Das Haas-Haus liegt mitten im historischen Zentrum. Du musst also keine eigene Anfahrt nur für das Gebäude planen. Am besten verbindest du den Besuch mit einem Spaziergang über den Stephansplatz und durch die angrenzenden Gassen.
- Stephansdom: Das bekannteste Wahrzeichen Wiens steht direkt gegenüber. Wenn du mehr Zeit hast, kannst du auch den Südturm oder den Nordturm mit der Pummerin besuchen.
- Stock im Eisen: Der historische Baumstamm befindet sich ganz in der Nähe und gehört zu den besonderen Details des Platzes.
- Graben: Von hier erreichst du eine der bekanntesten Einkaufsstraßen Wiens mit der Pestsäule und zahlreichen historischen Gebäuden.
- Kärntner Straße: Die Fußgängerzone führt vom Stephansplatz in Richtung Staatsoper und eignet sich gut zum Bummeln.
- Mozarthaus Wien: Wenn du dich für Musikgeschichte interessierst, kannst du den Besuch mit Mozarts ehemaliger Wohnung verbinden.
- Hoher Markt und Ankeruhr: Ein kleiner Spaziergang führt dich zu einer weiteren bekannten Sehenswürdigkeit der Altstadt.
Wenn du deinen Rundgang planen möchtest, hilft dir meine Route über den Stephansplatz. Für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln findest du alle wichtigen Informationen zur U-Bahn-Station Stephansplatz.
Häufige Fragen zum Haas Haus Wien
Das Haas-Haus liegt am Stock-im-Eisen-Platz im 1. Wiener Gemeindebezirk, direkt gegenüber dem Stephansdom.
Das heutige Haas-Haus wurde vom österreichischen Architekten Hans Hollein entworfen.
Das heutige Gebäude wurde am 15. September 1990 eröffnet.
Das erste Haas-Haus war ein Warenhaus des Unternehmens Philipp Haas & Söhne. Es wurde 1866 bis 1867 errichtet und war ein bedeutendes Geschäftshaus im Stil des Historismus.
Es ist für seine moderne Architektur, den markanten verspiegelten Erker und den Kontrast zum historischen Stephansdom bekannt. Bei seiner Entstehung löste es heftige Diskussionen über moderne Architektur in der Wiener Altstadt aus.
Nein, nicht wirklich. Das Haas-Haus ist in erster Linie ein Geschäfts- und Bürogebäude und daher gibt es keine spezielle Besichtigungstour für das gesamte Gebäude. Der öffentlich zugängliche Teil des Haas-Hauses besteht hauptsächlich aus den verschiedenen Geschäften und Restaurants, die sich in dem Gebäude befinden.
Weiterführende Links
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